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Tschetnik
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Tschetnik (serbisch: Äetnik) bezeichnet ursprĂŒnglich einen irregulĂ€ren unbesoldeten KĂ€mpfer, seit der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts vor allem einen christlichen FreischĂ€rler, der im makedonischen und bulgarischen Raum einen Kleinkrieg gegen die osmanische Herrschaft fĂŒhrte. Er organisierte sich in kleinen Gruppen, Tscheta genannt, die unter der FĂŒhrung eines âVojvodenâ standen. Seine Entsprechung im griechischen Raum war der Andartis.
Die heutige Bedeutung der Selbstbezeichnung wurde im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Besatzungsmacht in Jugoslawien als Sammelbegriff fĂŒr die Angehörigen von nationalistischen und antikommunistischen serbischen bzw. montenegrinischen Milizen geprĂ€gt. Darunter fiel auch die Jugoslawische Armee im Vaterland, die wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges aus Tschetniktruppen bestehend unter der FĂŒhrung von Dragoljub DraĆŸa MihailoviÄ fĂŒr die Wiedererrichtung des Königreichs Jugoslawien und die Errichtung eines GroĂjugoslawien samt einem GroĂserbien kĂ€mpften.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2]
Der kroatische Historiker Vladimir ĆœerjaviÄ schĂ€tzt, dass die Tschetniks wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges etwa 29.000 Bosniaken und 18.000 Kroaten (vorwiegend Zivilisten) ermordet haben. Der Historiker Zdravko Dizdar schĂ€tzt, dass insgesamt etwa 50.000 Muslime und Kroaten ermordet wurden.cite-ref-3[3]
Contents
âą Begriff
âą Balkankriege
âą Erster Weltkrieg
âą Kriegsverbrechen
âą Niedergang
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Begriff
Der Begriff stammt von dem polnischen Wort ochotnik fĂŒr Freiwilliger ab. Im Tschechischen ist Äetnik die offizielle Bezeichnung fĂŒr einen Gendarmen. Ins Serbische wurde es von Matija Ban 1848 in seinem Handbuch zur Freiwilligen-KriegsfĂŒhrung in Anlehnung an polnische Freiwillige (Pravila o ÄetniÄkoj vojni. ProtolmaÄio iz poljskoga sa nekim promenama, izmetcima i dodatcima Matija Ban) eingefĂŒhrt. In diesem Jahr begannen die Ungarn einen Aufstand gegen das Kaisertum Ăsterreich, was wiederum zum serbischen Aufstand gegen Ungarn in der heutigen Vojvodina fĂŒhrte, unterstĂŒtzt durch Grenztruppen aus der MilitĂ€rgrenze und Freiwilligen aus dem FĂŒrstentum Serbien.
Entstehung im Osmanischen Reich
Die Tschetniks entstanden aus der Tradition der Hajduken. In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts schlossen sich auf der vom Osmanischen Reich beherrschten Balkanhalbinsel Freiwillige zu kleinen Kampfgruppen zusammen. Die beweglichen Tschetnik-Gruppen ĂŒberfielen Vertreter der osmanischen Herrschaft und organisierten AufstĂ€nde der christlichen Bevölkerung.
In den bulgarischen Gebieten des Osmanischen Reichs nahmen die Tschetniks eine zentrale Rolle in dem von Georgi Rakowski 1862 verfassten âPlan fĂŒr die Befreiung Bulgariensâ ein. WĂ€hrend der Balkankrise in den Jahren 1875 bis 1878 waren vor allem bulgarische, griechische und serbische FreischĂ€rler aktiv. Bulgarische Tschetniks nahmen vor allem wĂ€hrend des Bulgarischen Aprilaufstandes von 1876 und des Ilinden-Aufstandes eine besondere Stellung ein.
Balkankriege
Nach der Beendigung der Balkankrise durch den Berliner Kongress konzentrierten sich die Tschetniks auf Makedonien und Thrakien (siehe Komitadschi, Innere Makedonisch-Adrianopeler RevolutionĂ€re Organisation, IMORO). Dort beteiligten sich die Tschetniks vor und wĂ€hrend der Balkankriege von 1912 und 1913 an Kampfhandlungen gegen die Osmanen. Indessen machte der wachsende Nationalismus serbische, bulgarische, makedonische und griechische FreischĂ€rler immer mehr zu erbitterten Gegnern. Die Tschetniks verĂŒbten, gemeinsam mit regulĂ€ren Truppen der serbischen Armee, Kriegsverbrechen an der albanischstĂ€mmigen Bevölkerung in den Regionen Nordmazedonien, Nordalbanien und dem Kosovo. Rund 25.000 Menschen fielen ihnen damals zum Opfer. Die Zahlen und Taten wurden in dem Carnegie-Bericht der Internationalen Kommission zur Untersuchung der Ursachen und des Verhaltens der Balkankriege dokumentiert. Der Journalist Leo Freundlich veröffentlichte hierĂŒber das Buch "Albaniens Golgatha: Anklageakten gegen die Vernichter des Albanervolkes".cite-ref-4[4]cite-ref-5[5]cite-ref-6[6]cite-ref-7[7]cite-ref-8[8]
Erster Weltkrieg
1886 erkannte der serbische König Milan I. ObrenoviÄ die Tschetniks als Miliz an. Im Ersten Weltkrieg bildeten Tschetniks AufklĂ€rungs- und Guerillatruppen im von den MittelmĂ€chten besetzten Serbien. Nach dem Ersten Weltkrieg blieben sie als Miliz im neu gegrĂŒndeten Königreich Jugoslawien aktiv und pflegten ihre Traditionen. Auch in Bulgarien bildeten sich Traditionsvereinigungen. Im Jahr 1938 waren rund 1.000 Tschetnik-Organisationen mit etwa 50.000 Mitgliedern in Jugoslawien registriert.
Zwischenkriegszeit
Am 28. Juni 1928 ermordete ein extremistischer Tschetnik-Aktivist fĂŒnf Mitglieder der oppositionell-autonomistischen Kroatischen Bauernpartei. Auch wichtigste kroatische Politiker der 1920er-Jahre und HSS-ParteigrĂŒnder, Stjepan RadiÄ, war unter den Mordopfern.cite-ref-9[9]
Zweiter Weltkrieg
GrĂŒndung der Ravna-Gora-Bewegung
Dragoljub DraĆŸa MihailoviÄ, ein serbischer Generalstabsoffizier der jugoslawischen Armee in Bosnien, zog sich beim Ăberfall der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien am 17. April 1941 mit einer kleinen motorisierten Einheit von Bosnien nach Serbien zurĂŒck, wobei er einige Male mit Ustascha-Truppen und bosnischen Banden zusammenstieĂ. Am 29. April 1941 ĂŒberquerte er mit seinen Einheiten den Fluss Drina. In Serbien angekommen, vernahm er GerĂŒchte ĂŒber einen groĂen Aufstand serbischer Offiziere, die sich im Gebiet um Kopaonik aufhielten, und begab sich dorthin. Auf dem Weg nach Zentralserbien wurde MihailoviÄs Einheit am 6. Mai 1941 bei UĆŸice in KĂ€mpfe mit einer deutschen Einheit verwickelt und dabei fast aufgerieben. Am 10. Mai 1941 erreichte MihailoviÄ mit nur 34 Offizieren und Soldaten, dezimiert und erschöpft, das Gebirgsplateau Ravna Gora in Zentralserbien.cite-ref-10[10]
Nach der Ankunft in Ravna Gora versuchte MihailoviÄ, mit anderen Offizieren Kontakt aufzunehmen und das Volk fĂŒr sich zu gewinnen, um an Nahrung und Geld zu gelangen. Mit der UnterstĂŒtzung von zahlreichen Gendarmen und Polizisten, die der kollaborationistischen AÄimoviÄ-Regierung in Belgrad den Gehorsam verweigerten, gelang dies auch. In den darauf folgenden Wochen strömten Soldaten und Offiziere aus Belgrad nach Ravna Gora, was das Versorgungsproblem verschĂ€rfte. Bis zum Herbst 1941 wuchs die Ravna-Gora-Bewegung auf rund 3000â4000 Mann an.
Nach einem serbisch-orthodoxen Brauch sollten sich mĂ€nnliche Familienmitglieder nach dem Tod eines Angehörigen 40 Tage lang nicht rasieren. In Anlehnung daran trugen manche Tschetniks lange BĂ€rte und drĂŒckten damit ihre Trauer um das verlorene und besetzte serbische Königreich aus. Im Kampf fĂŒhrten Tschetnik-VerbĂ€nde eine Totenkopf-Fahne, die den Feind abschrecken sollte.
Als Monarchisten und serbische Nationalisten strebten die Tschetniks von MihailoviÄ die Restauration des frĂŒheren jugoslawischen Königreichs, die Bildung eines GroĂjugoslawien und eines darin enthaltenen ethnisch reinen GroĂserbien an.cite-ref-11[11] MihailoviÄ verfolgte zunĂ€chst eine Strategie des Abwartens und vermied es, sich zu frĂŒh in eine offene militĂ€rische Auseinandersetzung mit den Deutschen zu begeben. Er wollte zuerst die Bewegung auf eine breitere Basis stellen und die in vielen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens wegen des Terrors der Besatzer und ihrer Helfer entstandenen fĂŒhrerlosen und groĂteils unpolitischen Tschetnik-Banden in seine Organisation eingliedern, um sich auf die Nachkriegszeit vorzubereiten. Der 1941 begonnene Ăberfall des Dritten Reiches auf die Sowjetunion weckte bei vielen Serben Hoffnungen auf einen schnellen Sieg der Sowjetunion und ein baldiges Kriegsende. MihailoviÄ war daher bestrebt, Verluste und âSĂŒhnemaĂnahmenâ gegenĂŒber Zivilisten zu vermeiden, auch in Hinblick auf die Erfahrungen Serbiens im Ersten Weltkrieg, bei dem rund ein FĂŒnftel der Bevölkerung ums Leben kam. MihailoviÄ gab daher den Deutschen und Tito im FrĂŒhsommer 1941 zu verstehen, dass er den âkommunistischen Terrorâ missbilligte und von ihm vorerst keine Aktionen gegen die Besatzer zu erwarten seien. Ăber MittelsmĂ€nner nahm er Verbindung mit der kommissarischen Regierung AÄimoviÄ in Belgrad auf und bat den kollaborationistischen FĂŒhrer der serbischen Faschisten, Dimitrije LjotiÄ, um Namen von zahlungskrĂ€ftigen Personen, die als Spender in Frage kĂ€men. Das deutsche Besatzungskommando lieĂ wĂ€hrend des Sommers 1941 keine Anstalten erkennen, MihailoviÄ zu bekĂ€mpfen, und ermutigte die Regierung AÄimoviÄ, einen Kompromiss zu erzielen.
Im September empfing MihailoviÄ ĂŒber einen Agenten Instruktionen der Exilregierung SimoviÄ. Diese deckten sich weitgehend mit seiner EinschĂ€tzung, dass seine Zeit nach der Niederlage der deutschen Armee kommen wĂŒrde. Die Regierung trug ihm auf, vorerst fĂŒr die Sicherheit und Ordnung im Land zu sorgen und gegen RĂ€uber und PlĂŒnderer vorzugehen. Im Anschluss daran wurde in Belgrad der politische Arm der Tschetnik-Bewegung, das âZentrale Nationalkomiteeâ (serb. Centralni Nacionalni Komitet), gegrĂŒndet, dessen Mitglieder Monarchisten wie Republikaner, Konservative, Sozialisten und AnhĂ€nger der Bauernpartei waren (die HeterogenitĂ€t der Parteien erschwerte eine klare, gemeinsame Parteilinie). Eine offizielle Anerkennung MihailoviÄs als FĂŒhrer des restjugoslawischen MilitĂ€rs blieb jedoch vorerst aus, was hĂ€ufig Anlass fĂŒr zahlreiche MachtkĂ€mpfe, EigenmĂ€chtigkeiten und Gehorsamsverweigerungen gab. Es wurde daher fĂŒr MihailoviÄ zunehmend schwieriger, seine AutoritĂ€t ĂŒber die verschiedenen Tschetnik-Splittergruppen zu behaupten. Ein Teil der Offiziere drĂ€ngte auf tatkrĂ€ftigen Widerstand gegen die Besatzer und arbeitete offen mit den Partisanen zusammen, allen voran der Sohn des AttentĂ€ters PuniĆĄa RaÄiÄ, Artilleriehauptmann Dragoslav RaÄiÄ, der den Kern des deutschlandfeindlichen Offiziers-FlĂŒgels vertrat. RaÄiÄ stellte nicht zuletzt wegen seines wallenden Bartes und seiner bĂ€uerlichen Kleidung einen Archetypus des serbischen Tschetniks dar. Seine 1500 Mann starke Einheit nahm im September und Oktober 1941 an mehreren erfolgreichen Angriffen der Partisanen auf deutsche StĂŒtzpunkte teil. RaÄiÄ wurde spĂ€ter jedoch zu einem erbitterten Gegner der Kommunisten.
Der Anfang Juli in Westserbien entbrannte Volksaufstand zwang viele von MihailoviÄs Offizieren, Farbe zu bekennen. AuĂer RaÄiÄs Truppen kĂ€mpften auch einige Tschetnik-Gruppen in Valjevo unter der FĂŒhrung des serbisch-orthodoxen Priesters Vladimir ZeÄeviÄ Anfang September 1941 gemeinsam mit den Partisanen gegen die Besatzer. Der wegen seines Ranges mit MihailoviÄ konkurrierende Artilleriegeneral Ljubomir NovakoviÄ verbreitete Mitte September 1941 ĂŒber einen Radiosender in der Ć umadija deutschlandfeindliche Propaganda und rief das Volk zum Widerstand auf. NovakoviÄ wurde jedoch Ende September 1941 durch seine militĂ€rische Inkompetenz kompromittiert, als er bei AranÄelovac mit rund 3.000 mehrheitlich mit Sensen und Heugabeln bewaffneten Bauern einen deutschen StĂŒtzpunkt stĂŒrmte, wobei viele Angreifer getötet wurden. Diese Ereignisse lieĂen bei den deutschen Befehlshabern in Belgrad den Eindruck entstehen, dass MihailoviÄs Tschetniks den Deutschen im Grunde feindlich gesinnt seien und eine AffinitĂ€t zur Zusammenarbeit mit Titos Partisanen demonstrierten. IrrtĂŒmlich schrieben sie auch manche Aktionen der Kommunisten MihailoviÄ und seinen âgroĂserbischenâ Offizieren zu.
Hinzu kam, dass MihailoviÄs Tschetniks nicht die einzigen waren: die âoffizielleâ Tschetnik-Miliz des Königreiches Jugoslawien unterstand seit 1932 dem PrĂ€sidenten des national-konservativen Tschetnik-Veteranenvereins, Kosta PeÄanac. Dieser aus den Balkankriegen hervorgegangene traditionelle Tschetnik-Verband zĂ€hlte 1938 etwa 1.000 Sektionen mit insgesamt 500.000 Mitgliedern und stellte die gröĂte Tschetnik-Fraktion in Serbien dar. PeÄanac entschloss sich auf deutschen Druck hin sehr frĂŒh fĂŒr die Zusammenarbeit und ignorierte MihailoviÄs Appell vom 15. August 1941, sich der Ravna-Gora-Bewegung anzuschlieĂen. PeÄanac zeichnete sich durch eine groĂe Feindseligkeit gegenĂŒber den Kommunisten aus und wurde daher zur Niederschlagung von AufstĂ€nden von Partisanen in SĂŒdserbien eingesetzt. Seine Einheiten kĂ€mpften auch in Kosovo i Metohija sowie dem SandĆŸak gegen albanisch-faschistische Milizen (Balli KombĂ«tar), wo sie sich mit kompromissloser Grausamkeit und brutalem Terror gegenĂŒber den albanischen Muslimen hervortaten, was viele antifaschistische Albaner dazu bewog, in die multinationalen und ethnisch toleranteren jugoslawischen Partisanen einzutreten. Wegen UnzuverlĂ€ssigkeit und nicht zuletzt wegen des groĂen Misstrauens, das die deutschen MilitĂ€rbefehlshaber den serbischen Tschetnik-FĂŒhrern im Allgemeinen entgegenbrachten, wurde PeÄanacâ rund 8.000 Mann starke Einheit aufgelöst, er selbst wurde 1944 von MihailoviÄs JVUO gefangen genommen, wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und in der serbischen Stadt Sokobanja hingerichtet.
Die gröĂten UnterstĂŒtzer und bereitwilligsten Kollaborateure der Besatzer in Serbien stellte die faschistische âZBOR-Bewegungâ unter der FĂŒhrung des Krankenpflegers Dimitrije LjotiÄ. Die Zbor-Bewegung wurde vor dem Krieg in Anlehnung an die NSDAP und Mussolinis Nationaler Faschistischer Partei gegrĂŒndet. Ăhnlich wie Ante PaveliÄs UstaĆĄa-Partei wies sie eine NĂ€he zum Christentum auf, bekannte sich jedoch zu dessen serbisch-orthodoxer Variante. Die ZBOR-Bewegung forderte die Abschaffung der Demokratie und die Errichtung eines autoritĂ€ren StĂ€ndestaates. WĂ€hrend sie vor dem Krieg keine nennenswerte politische Mehrheit im jugoslawischen Parlament errang, stieg ihr Einfluss nach der deutschen Besatzung betrĂ€chtlich. Sie verschrieb sich dem Kampf gegen Juden, Freimaurerei, Kommunisten und den westlichen Kapitalismus und unterstellte sich dem Kommando der Wehrmacht. Das âSerbische Freiwilligenkorpsâ (serb.: Srpski DobrovoljaÄki Korpus) der ZBOR-Bewegung hatte eine StĂ€rke von rund 3000â4000 Mann und wurde vom ehemaligen jugoslawischen und österreich-ungarischen Offizier Kosta MuĆĄicki kommandiert. Aufgrund ihrer relativ geringen Zahl betĂ€tigten sich Mitglieder der Bewegung vorwiegend als Ăbersetzer, Informanten und Berater der Besatzungsmacht, einige Male auch als Vermittler zwischen MihailoviÄ und den Besatzern. MilitĂ€risch waren sie weniger bedeutend, sie kĂ€mpften sporadisch mit Wehrmacht-VerbĂ€nden gegen andere Tschetnik-Gruppen und seltener gegen serbische Kommunisten. Die ZBOR-Bewegung blieb dem Nationalsozialismus ĂŒber das Kriegsende hinaus treu und forderte die FortfĂŒhrung des Kampfes in Form eines Guerilla-Krieges.
Tschetniks anderer NationalitÀten
MihailoviÄs Tschetniks gehörten auch Slowenen, und in geringer Zahl Kroaten an, die fĂŒr ein monarchistisches Jugoslawien kĂ€mpften. Beispielsweise waren der slowenische Historiker UroĆĄ Ć uĆĄteriÄ und seine Verwandten in der FĂŒhrungsriege der JVUO. Auch der jugoslawische und slowenische Ăkonom Aleksander Bajt gestand 1999 in seinem Buch âBermans Dossierâ, wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges Tschetnik-Sympathisant gewesen zu sein, er habe in Rom unter dem Decknamen âBermanâ als Geheimdienstler fĂŒr MihailoviÄs JVUO gearbeitet. Bajts Darstellung der Tschetniks wurde von Kritikern als verherrlichend empfunden und sorgte in Slowenien fĂŒr groĂe öffentliche Empörung, weil sie die herrschende Meinung, dass die groĂserbische Tschetnik-Ideologie die wahre Ursache fĂŒr den Balkankonflikt sei, in Frage stellte.
Daneben gab es auch in Montenegro eine aktive Tschetnik-Bewegung, die unter der FĂŒhrung von Pavle ÄuriĆĄiÄ stand und eng mit MihailoviÄs Tschetniks zusammenarbeitete.
Widerstand gegen die Besatzer (1941)
Siehe auch
:
Aufstand in Serbien 1941
Die seit 1921 verbotene und im Untergrund operierende Kommunistische Partei Jugoslawiens zĂ€hlte Anfang 1941 insgesamt nur etwa 8.000 Mitglieder. Zwischen April und Juni 1941 traten ihr jedoch etwa 4.000 neue Mitglieder bei. Die Verbreitung der KPJ war in âRumpfserbienâ vergleichsweise gering, sie hatte dort nur 2.000 Mitglieder, davon 600 in Belgrad und dessen Umgebung.
Am 1. Juli 1941 erging eine Anweisung der Komintern an die KPJ, PartisanenverbĂ€nde zu grĂŒnden und Kampfhandlungen und Sabotageakte gegen die Besatzer vorzunehmen. In Folge fand am 4. Juli 1941 in Belgrad eine Sitzung des âHauptstabs der Volksbefreierischen PartisanenverbĂ€nde Jugoslawiensâ (Glavni Ć tab NarodnooslobodilaÄkih Partizanskih Odreda Jugoslavije) unter dem Vorsitz von Josip Broz Tito (Kroate), Edvard Kardelj (Slowene), Ivan MilutinoviÄ (Montenegriner), Aleksandar RankoviÄ (Serbe) und Svetozar VukmanoviÄ-Tempo (Montenegriner) statt, bei dem die KPJ den bewaffneten Kampf gegen die Besatzer beschloss. Vlado PopoviÄ sollte den Widerstand in Kroatien organisieren, Edvard Kardelj in Slowenien. Svetozar VukmanoviÄ-Tempo wurde nach Bosnien gesandt, Milovan Äilas nach Montenegro. Dem Obersten Stab und der FĂŒhrung der KPJ in Jugoslawien gehörten weiters Ivo-Lola Ribar (Kroate), MoĆĄa Pijade (Serbe/Jude) und Arso JovanoviÄ (Montenegriner) an, auĂerdem der serbisch-orthodoxe Priester Vladimir ZeÄeviÄ, der von der Mitwirkung an Entscheidungen des Stabs ausgeschlossen war.
Die Strategie der Kommunisten bestand darin, in den Dörfern und Industriegebieten Zentralserbiens AnhĂ€nger zu gewinnen und fĂŒr den bewaffneten Widerstand zu motivieren, wobei sie vor der Ermordung politisch andersdenkender âkonterrevolutionĂ€rer Elementeâ nicht zurĂŒckschreckten. AuĂerdem gelang es der KPJ, die wegen des Völkermordes der Ustascha in Kroatien und Bosnien-Herzegowina hereinströmenden serbischen FlĂŒchtlinge zu radikalisieren. Auch die rĂŒcksichtslosen VergeltungsmaĂnahmen der deutschen Besatzer gegen Zivilisten trieben die Menschen in Scharen zu den Partisanen. Ein Bericht des deutschen Verwaltungsstabes in Belgrad vom 23. Juli 1941 schildert die Lage wie folgt:
âIn den Bergen Serbiens befinden sich die zum Teil traditionsreichen Komitatschi-Banden, die sogenannten Cetnici, die bei dem bekannten Hang des serbischen Volkes zu einer abenteuerlichen Romantik eine groĂe VolkstĂŒmlichkeit besitzen. Sie waren in den Monaten nach dem Kriege durch geflĂŒchtete Offiziere und Soldaten verstĂ€rkt worden. Ihr Dasein war zwar fĂŒr europĂ€ische Begriffe der öffentlichen Ordnung und Sicherheit ein beunruhigender Zustand; sie vermieden aber peinlichst jede Art von ZusammenstoĂ mit der deutschen Wehrmacht und bezeichneten als ihre Aufgabe in erster Linie die BekĂ€mpfung des kroatischen Terrors. Mit falschen Parolen haben nun kommunistische FunktionĂ€re vermocht, sich der FĂŒhrung eines GroĂteils dieser Banden zu bemĂ€chtigen.â (Lit.: Schmider, 2002, S. 57.)
Die Partisanen vermieden anfangs die direkte Konfrontation mit den kleinen aber gut bewaffneten Wehrmacht-VerbĂ€nden in Serbien. Ihre Kampfhandlungen richteten sich im Juli 1941 vorwiegend gegen serbische Gendarmen und Einrichtungen der Kollaborationsregierung AÄimoviÄ. BegĂŒnstigt durch den Umstand, dass die deutsche MilitĂ€rverwaltung auĂerhalb der gröĂeren StĂ€dte kaum Einfluss ausĂŒbte, konnten die Kommunisten bis August 1941 in Serbien schnell FuĂ fassen und eine flexible und schlagkrĂ€ftige Organisation aufbauen. Die fluchtartige Verlegung der am Angriff auf Jugoslawien beteiligten deutschen Infanteriedivisionen in die Sowjetunion erweckte auch bei den Kommunisten die Hoffnung, dass der Krieg nicht mehr lange andauern werde.
Am 10. August 1941 erging ein Befehl, mit dem Nichtkommunisten die Aufnahme in die kommunistischen KampfverbĂ€nde (odreds) erlaubt wurde. Der Volksaufstand dehnte sich auf ganz Westserbien aus. Am 11. August 1941 erteilte der Befehlshaber Serbien, General der Flieger Heinrich Danckelmann, General der Artillerie Paul Bader den Befehl zur âsofortigen Aufnahme des Angriffskampfes gegen die kommunistischen Terrorbandenâ. Die Gendarmerie AÄimoviÄs und die Wehrmacht zeigten sich angesichts des ausgedehnten Aufstandes machtlos und hatten ihm zunĂ€chst wenig entgegenzusetzen. Ihre Hilflosigkeit entlud sich in unkontrollierten âSĂŒhnemaĂnahmenâ, bei denen bis Ende August 1941 rund 1.000 Personen wahllos getötet wurden.
Ende August 1941 errichteten die jugoslawischen Kommunisten ein âbefreites Gebietâ im Nordosten Serbiens, zwischen den StĂ€dten Krupanj, Loznica und Zvornik. Sie konnten sich im Sommer 1941 als fĂŒhrende Widerstandsbewegung in Serbien etablieren und gewannen die Initiative ĂŒber die Ereignisse. Die Angriffe der Kommunisten auf Gendarmen und Polizisten der Kollaborationsregierung trafen gezielt die gröĂten UnterstĂŒtzer MihailoviÄs. Zudem rebellierten einige von Tatendrang beseelte Offiziere MihailoviÄs ungestraft gegen seine abwartende Politik und kĂ€mpften gemeinsam mit den kommunistischen Odreds.
Zusammenarbeit mit den Besatzern
MihailoviÄ fĂŒrchtete den zunehmenden Einfluss der Kommunisten und sah in der teilweisen Zusammenarbeit mit den Besatzern das geringere Ăbel. WĂ€hrend die Tschetniks fĂŒr die Vorkriegsordnung und die KontinuitĂ€t des Königreichs Jugoslawien in Anlehnung an den Westen standen, traten die jugoslawischen Kommunisten fĂŒr grundlegende UmwĂ€lzungen in der Gesellschaft nach dem Vorbild der Sowjetunion ein. Die Kommunisten waren mit der Propaganda erfolgreich, dass MihailoviÄ sich bloĂ fĂŒr einen WiderstandskĂ€mpfer ausgebe, wĂ€hrend die kommunistischen jugoslawischen Partisanen die Hauptlast des Kampfes gegen die BesatzungsmĂ€chte trugen. Zudem richteten die Partisanen in den befreiten Gebieten nationale BefreiungsrĂ€te ein.
Hinzu kam, dass MihailoviÄ von den Alliierten meist nur symbolisch unterstĂŒtzt und spĂ€ter fallen gelassen wurde. WĂ€hrend GroĂbritannien anfangs die Exilregierung des nach London geflohenen serbisch-jugoslawischen Königs Petar II. unterstĂŒtzte, schwenkte es im Laufe des Krieges um, und belieferte die kommunistischen Tito-Partisanen mit Waffen. Dieser Umstand spielte der deutschen Propaganda in die HĂ€nde, die behauptete, dass Churchill Serbien den Bolschewiki âzum FraĂ vorgeworfenâ habe. Folglich könne nur der Sieg Deutschlands die UnabhĂ€ngigkeit Serbiens garantieren.
WĂ€hrend eine seiner Formationen mit den Partisanen kĂ€mpfte, unterhielt MihailoviÄ Beziehungen zur Kollaborationsregierung NediÄ und wurde von ihr mit Geld und Waffen unterstĂŒtzt. Viele von MihailoviÄs Tschetniks konnten als Gendarmen der Kollaborationsregierung untertauchen und versuchten bis zuletzt, unter Hinweis auf ihre antikommunistische TĂ€tigkeit einen legalen Status zu erlangen. Gleichzeitig versuchte MihailoviÄ, mit dem berĂŒchtigten Wehrmacht-General Franz Böhme in Verbindung zu treten. Böhme lehnte sein BĂŒndnisangebot jedoch ab und bestand auf einer bedingungslosen Kapitulation samt vollstĂ€ndiger Entwaffnung.
Zwischen dem deutschen und italienischen Oberkommando gab es heftige Meinungsverschiedenheiten ĂŒber den Umgang mit Tschetniks in Bosnien und Kroatien. Der italienische General Mario Roatta betrachtete die Tschetniks als potenzielle VerbĂŒndete, die im Kampf gegen die kommunistischen Partisanen wertvolle Dienste leisteten, und stellte ihnen ab Mitte 1942 offiziell Waffen und Munition zur VerfĂŒgung. Gleichzeitig war Italien daran interessiert, ein Gegengewicht zu dem von Deutschland beherrschten Ustascha-Regime aufzubauen. Hitler und die deutsche MilitĂ€rfĂŒhrung betrachteten die Tschetniks dagegen als âgroĂserbische Kampfeinheitenâ, die sich bei einem alliierten Angriff auf den Balkan auf die feindliche Seite schlagen wĂŒrden, und drĂ€ngten auf ihre Entwaffnung. SchlieĂlich einigte man sich darauf, die Tschetniks im Rahmen der bevorstehenden MilitĂ€roperation âWeiĂâ zu entwaffnen, bei der die kommunistischen Partisanen Anfang 1943 vernichtet werden sollten. Da der Kampf gegen die Partisanen jedoch schwieriger als erwartet verlief, behielten Tschetniks in Bosnien und Kroatien ihre Waffen bis zum Kriegsende.
Kampf gegen die kommunistische Widerstandsbewegung
Die jugoslawischen Kommunisten konnten den Widerstand von Anfang an weit erfolgreicher aufbauen. Im September 1941 hatten die Partisanen in Serbien eine groĂe Basis und ihre militĂ€rischen Formationen fĂŒgten den deutschen Besatzern empfindliche Niederlagen zu. Sie verĂŒbten im August 1941 242 Attentate und töteten dabei 22 Wehrmachtssoldaten. Allein am 31. August 1941 verĂŒbten sie 18 AnschlĂ€ge auf Eisenbahnstrecken. Sie erkĂ€mpften bereits am 21. September 1941 ein befreites Gebiet, die âRepublik UĆŸiceâ, in der sich eine Waffenfabrik befand, deren Produktion aufgrund der mangelnden Versorgung MihailoviÄs mit Waffen und Munition zu einem Zankapfel zwischen ihm und den Kommunisten werden sollte. Den Kommunisten gelang es trotz hĂ€ufiger Angriffe der LuftstreitkrĂ€fte die Waffenproduktion in UĆŸice aufrechtzuerhalten.
Zu Beginn des Krieges arbeiteten Tschetniks und Kommunisten noch teilweise zusammen, aber die Lage Ă€nderte sich, als Tito und MihailoviÄ bei einem Treffen im Dorf BrajiÄi am 26. Oktober 1941 keine Einigung ĂŒber den weiteren Verlauf des Widerstands erzielen konnten. Ab diesem Zeitpunkt bekĂ€mpften sich die beiden Bewegungen erbittert. Eine Rolle dabei spielte, dass MihailoviÄ mit britischer UnterstĂŒtzung rechnete und einen Kompromiss um jeden Preis als nicht notwendig erachtete.
Am 2. November 1941 fĂŒhrten VerbĂ€nde von MihailoviÄ einen Angriff gegen die Partisanenhochburg UĆŸice durch. Die âBefreiungâ von UĆŸice wurde ursprĂŒnglich gemeinsam koordiniert. Da die Kommunisten als erste in UĆŸice eindrangen und ihrerseits die âSozialistische Republik von UĆŸiceâ verkĂŒndeten, und MihailoviÄs VerbĂ€nden den Einzug verweigerten, sah MihailoviÄ das BĂŒndnis mit den Kommunisten gebrochen und entschloss sich zu einem Angriff. Der Angriff wurde zurĂŒckgeschlagen und MihailoviÄ entging nur knapp einem militĂ€rischen Desaster. Ăber den Verrat von DraĆŸa MihailoviÄ schrieb der Stab der Volksbefreiungs-Partisanenabteilung fĂŒr den Kreis ÄaÄak am 3. November 1941: âDie FĂŒnfte Kolonne ist wieder auferstanden. Die deutschen Agenten, DraĆŸa MihailoviÄ, Oberstleutnant PavloviÄ, DragiĆĄa VasiÄ, sind in letzter Stunde Hitler, NediÄ und LjotiÄ zu Hilfe geeilt.â
General Böhme verstand es, die Situation zu nutzen und drĂ€ngte die Partisanen in die Defensive. Am 20. November 1941 einigten sich Tito und MihailoviÄ auf englischen Druck hin auf einen Waffenstillstand. In Erwartung eines deutschen Angriffes auf den HauptstĂŒtzpunkt der Partisanen in UĆŸice forderte Tito MihailoviÄ am 28. November 1941 noch einmal zu einer gemeinsamen bewaffneten Aktion gegen die Besatzer auf. MihailoviÄ antwortete, dass er nicht daran denke, sondern bessere Bedingungen fĂŒr einen Kampf abwarte.
Zur selben Zeit hatten sich einige Tschetnik-Kommandanten mit ihren Truppen, zusammen etwa 2.000 Mann, laut der Kommunisten mit Zustimmung von MihailoviÄ, dem Befehl von General NediÄ unterstellt. Diese Truppen kĂ€mpften wenige Tage spĂ€ter auf der Seite der Deutschen gegen die Partisanen. Ende November gelang es General Böhme, verstĂ€rkt durch eine deutsche Division und begĂŒnstigt durch die Haltung von MihailoviÄ, den militĂ€rischen Widerstand der Partisanen zu brechen. Die Partisanen flĂŒchteten im Dezember 1941 ĂŒber den einzigen noch offenen RĂŒckzugsweg, in das von Italien besetzte Montenegro und in die Herzegowina, die offiziell zu Kroatien gehörte. Mit dem RĂŒckzug aus Serbien nach Montenegro und Herzegowina, spĂ€ter nach Bosnien, war die Partisanenarmee fĂŒr Jahre aus Serbien vertrieben. Erst im Sommer 1944 gelang es ihr wieder, in Serbien FuĂ zu fassen und es gemeinsam mit der Roten Armee im Herbst/Winter 1944 zu befreien.
Der Schulterschluss von Tschetniks, UstaĆĄas, italienischen und deutschen VerbĂ€nden trug somit wesentlich zum Fall der Republik UĆŸice am 29. November 1941 bei und beeintrĂ€chtigte die militĂ€rischen Bestrebungen der jugoslawischen Partisanen bis 1944 schwer.
Am 7. Dezember 1941 beförderte der im Exil weilende jugoslawische König Peter II. KaraÄorÄeviÄ MihailoviÄ in den Rang eines Brigadegenerals und ernannte ihn zum FĂŒhrer der âJugoslawischen Armee im Vaterlandâ (Jugoslovenska vojska u otadĆŸbini, JVUO). Damit gehörte er offiziell der Londoner Exilregierung als Kriegsminister an.
Gefangene Partisanen und ĂŒbergelaufene Tschetniks wurden ĂŒblicherweise auf der Stelle getötet. Viele von ihnen wurden regelrecht geschlachtet, indem man ihnen die Kehlen durchschnitt.cite-ref-12[12] Andererseits gingen die Partisanen mit der gleichen HĂ€rte gegen echte und vermeintliche Tschetnik-Sympathisanten vor.
Die Partisanen hatten sich nach ihrer militĂ€rischen Niederlage und ihrem RĂŒckzug aus Serbien im bosnisch-kroatischen Grenzgebiet festgesetzt und hielten in der Stadt BihaÄ den ersten Kongress der Kommunistischen Partei Jugoslawiens ab, an dem laut Sitzungsprotokoll alle Völker des kĂŒnftigen Jugoslawien teilnahmen und ihren Willen zum Kampf gegen die Besatzer bekundeten.
Kriegsverbrechen
WĂ€hrend des Krieges verĂŒbten Tschetnik-VerbĂ€nde zahlreiche Kriegsverbrechen an serbischen, kroatischen, albanischen und bosnischen Zivilisten. Aus Briefen und Dokumenten verschiedener Tschetnik-FĂŒhrer geht hervor, dass sie unter anderem in betrunkenem Zustand Dörfer angezĂŒndet und zahlreiche Sympathisanten und UnterstĂŒtzer der Partisanen erschossen und zu Tode geprĂŒgelt haben.
In Bosnien-Herzegowina und im dalmatinischen Hinterland kooperierten die Tschetniks zunĂ€chst mit den Partisanen und kĂ€mpften gegen die kroatischen Ustascha, die zahlreiche Massaker an der dort lebenden serbischen Bevölkerung verĂŒbten. Der Blutrausch der Ustascha nahm solche AusmaĂe an, dass sich die sogar die deutsche MilitĂ€rverwaltung veranlasst sah, etwas dagegen zu unternehmen, weil die Grausamkeiten den deutschen PlĂ€nen letztlich mehr schadeten als nutzten. Das Reichssicherheitshauptamt schilderte die Lage in einem Bericht an den ReichsfĂŒhrer SS vom 9. September 1942 wie folgt:
âOhne den Zuzug der von der Ustascha terrorisierten serbischen Bevölkerung wĂ€re jedoch dieser HeckenschĂŒtzenkrieg (der Äetniks) im Keime erstickt worden. Dass es zu ausgesprochenen AufstĂ€nden kam, ist zu einem erheblichen Teil auf den Terror der Ustascha zurĂŒckzufĂŒhren.âcite-ref-13[13]
Der bekannteste Verband um die Stadt Knin in Norddalmatien war die sogenannte âDinarische Tschetnik-Divisionâ unter dem Befehl des serbisch-orthodoxen Priesters und Woiwoden MomÄilo ÄujiÄ. Dieser kollaborierte mit der italienischen Besatzungsmacht und seine Einheit war fĂŒr das Massaker von Gata am 1. Oktober 1942 verantwortlich, bei dem Zivilisten getötet wurden, weil sie mit den Tito-Partisanen sympathisierten. In anschlieĂenden Massakern der Tschetniks, die sich bis zum 5. Oktober 1942 in Dugopolje, Kotlenica, Dubrava, Donji Dolac, Ostrvica, Äisla, ZveÄanje und Srijane ereigneten, wurden 120 Frauen, Kinder und Alte oft bestialisch ermordet. Das lokale Komitee der Kommunistischen Partei Kroatiens fĂŒr Mitteldalmatien berichtete darĂŒber am 4. Oktober 1942:
â[âŠ] die Tschetniks brannten die Ortschaften nieder, plĂŒnderten und schlachteten jede Person, die sie in die HĂ€nde bekamen. [âŠ] Die Grausamkeiten können schwer geschildert werden. Alles, was es nicht schaffte zu entkommen, wurde getötet. Die Frauen und MĂ€dchen wurden vergewaltigt; ihre BrĂŒste abgeschnitten, wie auch andere Teile ihres Körpers. Es sind meist Ă€ltere Menschen unter den Getöteten, aber auch viele Kinder. Viele kranke und hilflose Menschen verbrannten in brennenden HĂ€usern. Die Mehrheit der Ermordeten wurden mit Messern getötet und hatte meistens durchgeschnittene Kehlen. Alle Arten von Szenen; ein Kind in den HĂ€nden seiner Mutter, beide geschlachtet. An manchen PlĂ€tzen groĂe Haufen Ermordeter, 10 bis 15 Leichen an der selben Stelle.âcite-ref-14[14]
Bereits wenige Monate zuvor hatten Tschetniks beim Massaker im Zabiokovlje kroatische Zivilisten ermordet, katholische Priester gehĂ€utet und HĂ€user geplĂŒndert und niedergebrannt.
Beim Massaker in FoÄa und Umgebung (1943) ermordeten Tschetniks 9.200 Bosniaken, darunter 8.000 Zivilisten (ĂŒberwiegend Alte, Frauen und Kinder). In einem deutschen Bericht vom 10. Februar 1943 aus der muslimischen Gemeinde Bukovica heiĂt es:cite-ref-15[15]
âAm 5.2. des Jahres haben Cetnici die Gemeinde Bukovica angegriffen... und etwa 500 MĂ€nner, Frauen und Kinder verbrannt. [âŠ] Es wurden MĂ€dchen gefunden, die man nach erfolgter Vergewaltigung gepfĂ€hlt hatte [âŠ] Im Dorfe Strazice wurde die Leiche des Hadschi Tahirovic gefunden, dem man die Haut von den Kniekehlen ĂŒber den RĂŒcken und Kopf auf die Brust gezogen hatte.â
Niedergang
Die Alliierten entsandten militĂ€rische und nachrichtendienstliche Beobachter, um die Lage in Jugoslawien zu erkunden und sich von der Kollaboration der Tschetniks mit den AchsenmĂ€chten zu ĂŒberzeugen. Hinzu kamen der politische Druck der Sowjetunion und Erfolge der Kommunisten in Jugoslawien, so dass die Alliierten 1943 auf der Konferenz von Teheran den Tschetniks die UnterstĂŒtzung entzogen und die jugoslawischen Partisanen unter der FĂŒhrung von Tito als VerbĂŒndete akzeptierten. Die GesamtstĂ€rke der JVUO in Serbien betrug zu diesem Zeitpunkt offiziell 12.000 bis 15.000 Mann. Angesichts der politischen und militĂ€rischen Entwicklung wurden die Tschetniks bis 1944 dezimiert, viele Angehörige wechselten die Seite und liefen zu den Partisanen ĂŒber.
1945 sagten sich einige AnfĂŒhrer der JVUO von MihailoviÄ los und grĂŒndeten in Istrien, gemeinsam mit den slowenischen Domobranci, unter deutscher Protektion die âJugoslawische Nationalarmeeâ (nicht zu verwechseln mit der Jugoslawischen Volksarmee der Tito-Partisanen), die aber nie zum Einsatz kam. Die Soldaten der Nationalarmee wurden nach dem Kriegsende von den Briten entgegen anderer Zusage an die Tito-Partisanen ausgeliefert, die meisten wurden anschlieĂend in den WĂ€ldern um Bleiburg von diesen ermordet bzw. laut offiziellem Sprachgebrauch âliquidiertâ.
Dragoljub DraĆŸa MihailoviÄs Tschetniks wurden Mitte Mai 1945 bei den Quellen der FlĂŒsse Drina und Neretva endgĂŒltig geschlagen. MihailoviÄ konnte ein letztes Mal entkommen und versteckte sich bis Mitte MĂ€rz 1946 in Bosnien, wo er schlieĂlich vom kommunistischen Geheimdienst OZNA festgenommen wurde. Er wurde in einem 5-tĂ€gigen Schauprozess wegen Kollaboration mit den Besatzern zum Tode verurteilt und am 18. Juli 1946 in Belgrad durch ErschieĂung hingerichtet. Seine Leiche wurde an einem geheimen Ort vergraben. Aufgrund des Berichts eines Augenzeugen der ErschieĂung aus dem Jahr 2005 gilt das Geheimnis um MihailoviÄs Hinrichtungs- und GrabstĂ€tte als gelĂŒftet.
Jugoslawienkriege
Unter dem Namen und der Symbolik der Tschetniks kĂ€mpften wĂ€hrend der Jugoslawienkriege in den 1990ern serbische FreischĂ€rler in Kroatien und Bosnien, von denen sich einige wegen Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof fĂŒr das ehemalige Jugoslawien verantworten mussten.
Vojislav Ć eĆĄelj, der zwischen 2003 und 2014 in Den Haag inhaftierte FĂŒhrer der Serbischen Radikalen Partei, fĂŒhrte den Titel âVojvodaâ, der ihm 1989 in den USA von MomÄilo ÄujiÄ, einem Tschetnik-FĂŒhrer aus dem Zweiten Weltkrieg, verliehen wurde. Der Titel wurde Ć eĆĄelj jedoch am 9. Dezember 1998, anlĂ€sslich der Bildung einer Koalitionsregierung aus Ć eĆĄeljs Radikalen und MiloĆĄeviÄs Sozialisten, entzogen. Bei dieser Gelegenheit bat ÄujiÄ das âserbische Volk um Vergebungâ dafĂŒr, dass er mit der Ernennung Ć eĆĄeljs einen Fehler gemacht habe, Ć eĆĄelj habe sich âzum Glaubensbruder und Mitarbeiter MiloĆĄeviÄsâ entwickelt.
Rehabilitierung und Gedenken in Serbien
JĂ€hrliche Kundgebungen auf Ravna Gora
Der ParteigrĂŒnder der Serbischen Erneuerungsbewegung und spĂ€tere serbische AuĂenminister Vuk DraĆĄkoviÄ und seine Frau Danica versuchten am Jahrestag der GrĂŒndung der Ravna-Gora-Bewegung, den 13. Mai 1990, zu Ehren von DraĆŸa MihailoviÄ einen medienwirksamen Besuch auf Ravna Gora zu veranstalten. Sie wurden jedoch von Einheiten des Innenministeriums mit Gewalt daran gehindert. Motiviert durch diesen Vorfall findet seither auf Ravna Gora jĂ€hrlich im Mai ein Aufmarsch von Tschetnik-AnhĂ€ngern, Monarchisten und proserbischen Nationalisten aller LĂ€nder statt, der in einer Abschlusskundgebung endet. Dabei wird in Reden der antifaschistische Kampf von Tschetniks beschworen und das kommunistische Regime angeprangert. DraĆĄkoviÄ, der sich erfolgreich fĂŒr die Legalisierung der Tschetnik-Bewegung einsetzt, besuchte die Kundgebungen hĂ€ufig und hielt dort auch mehrere Reden. Die jĂ€hrlichen AufmĂ€rsche wurden von den Behörden zunĂ€chst widerwillig und spĂ€ter immer offener toleriert. 1992 wurde auf Ravna Gora eine Statue DraĆŸa MihailoviÄs errichtet, 1996 wurde dort eine Kirche gebaut, spĂ€ter auch ein Museum.
Auch sonst lĂ€sst sich seit den 1990ern in Serbien ein Trend zur Rehabilitierung von Tschetniks feststellen, der in SchulbĂŒchern wie in Medien betrieben wird. Nach Jahrzehnten der offiziellen DĂ€monisierung und UnterdrĂŒckung von Tschetniks durch das kommunistische Regime Jugoslawiens erwachte eine Gegenbewegung, die Tschetniks als antifaschistische Opfer der Kriegswirren darstellt, die aus strategischen GrĂŒnden von den Briten verraten und von den Sowjets militĂ€risch ĂŒberrollt wurden. In diesem Zusammenhang wird auch die US-amerikanische Auszeichnung MihailoviÄs mit dem Orden âLegion of Meritâ, der ihm 1948 posthum fĂŒr die Rettung von 432 US-amerikanischen Piloten verliehen wurde, betont.
Rechtliche Gleichstellung mit Tito-Partisanen
Am 21. Dezember 2004 beschloss das serbische Parlament auf Antrag der Serbischen Erneuerungsbewegung DraĆĄkoviÄs in einer dringenden Sitzung eine GesetzesĂ€nderung, mit der Tschetniks den Tito-Partisanen rechtlich gleichgestellt wurden. Der Beschluss erfolgte mit 176 Stimmen bei 24 Gegenstimmen und 13 Enthaltungen. Tschetniks und ihre Angehörigen erhielten dadurch das Recht auf eine Kriegspension und andere VergĂŒnstigungen. Der Grund fĂŒr diesen VorstoĂ sei der Wunsch nach der âGleichstellung aller antifaschistischen Bewegungenâ. Da viele Kriegsteilnehmer bereits tot sind, habe der Beschluss vor allem einen symbolischen Wert, so Vojislav MihailoviÄ, VizeprĂ€sident des Parlaments und Enkel von DraĆŸa MihailoviÄ.
Der serbische Vereinsbund der KĂ€mpfer des Volksbefreiungskrieges (SUBNOR, Savez udruĆŸenja boraca NarodnooslobodilaÄkog rata) und die Menschenrechtsorganisation âHelsinki Committee for Human Rights in Serbiaâ haben die GesetzesĂ€nderung empört aufgenommen. Aus ihrer Sicht wurden die Tschetniks damit trotz zahlreicher Morde an Partisanen und ihren Sympathisanten fĂŒr die Kollaboration mit Hitler belohnt. Es sei ein Mythos, dass Tschetniks im Zweiten Weltkrieg bloĂ glĂŒcklose Antifaschisten und WiderstandskĂ€mpfer gewesen wĂ€ren.
Auch in Kroatien und in groĂen Teilen Bosniens war der Beschluss Anlass fĂŒr scharfe Kritik. Der kroatische PrĂ€sident Stjepan MesiÄ Ă€uĂerte etwa, die Tschetniks könnten nicht im Nachhinein zu Antifaschisten deklariert werden. In Kroatien ist die Zurschaustellung etwa der Symbolik der Tschetnik-Bewegung ebenso wie die der Ustascha-Bewegung unter Strafe gestellt.
Nur in Slowenien sind die âDomobranciâ mit Tito-Partisanen gleichgestellt.
Siehe auch
Literatur
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âą Matteo J. Milazzo: The Chetnik Movement and the Yugoslav Resistance. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1975, ISBN 0-8018-1589-4 (englisch).
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âą Jozo Tomasevich: The Chetniks: War and Revolution in Yugoslavia, 1941â1945. Stanford University Press, Stanford 1975, ISBN 0-8047-0857-6 (englisch).
âą Simon Trew: Britain, Mihailovic and the Chetniks, 1941â42. Studies in Military and Strategic History. Palgrave Macmillan, Basingstoke 1998, ISBN 0-333-69589-5 (englisch).
Weblinks
Commons
: Tschetnik
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Einzelnachweise
cite-note-11. â Holm Sundhaussen: Geschichte Serbiens: 19.â21. Jahrhundert. Böhlau Verlag, Wien u. a. 2007, ISBN 978-3-205-77660-4, S. 321.
cite-note-22. â Michael Portmann, Arnold Suppan: Serbien und Montenegro im Zweiten Weltkrieg. In: Ăsterreichisches Ost- und SĂŒdosteuropa-Institut (Hrsg.): Serbien und Montenegro: Raum und Bevölkerung, Geschichte, Sprache und Literatur, Kultur, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Recht. Lit Verlag, MĂŒnster 2006, ISBN 3-8258-9539-4, S. 287 f.
cite-note-33. â Vladimir Geiger: Human Losses of the Croats in World War II and the Immediate Post-War Period Caused by the Chetniks (Yugoslav Army in the Fatherand) and the Partisans (Peopleâs Liberation Army and the Partisan Detachments of Yugoslavia/Yugoslav Army) and the Communist Authorities: Numerical Indicators. In: Review of Croatian history. Croatian Institute of History, S. 85â87 (srce.hr).
cite-note-44. â Maloki, Enver (1997). DĂ«bimet e shqiptarĂ«ve dhe kolonizimi i KosovĂ«s (1877-1995). Qendra pĂ«r Informim e KosovĂ«s. S. 50.
cite-note-55. â Clark, Howard (2009). Civil Resistance in Kosovo (Civil Resistance in Kosovo, Howard Clark ed.). Pluto Press. S. 223. ISBN 978-0-7453-1569-0.
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cite-note-1010. â Walter Manoschek: Serbien ist judenfrei: MilitĂ€rische Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien 1941/42 (= BeitrĂ€ge zur MilitĂ€rgeschichte. Band 38). Oldenbourg Verlag, MĂŒnchen 1993, S. 112 ff.
cite-note-1111. â Detlef Brandes, Holm Sundhaussen, Stefan Troebst: Lexikon der Vertreibungen: Deportation, Zwangsaussiedlung und ethnische SĂ€uberung im Europa des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2010, ISBN 978-3-205-78407-4, S. 322.
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cite-note-1313. â Thomas Casagrande: Die volksdeutsche SS-Division »Prinz Eugen«. Campus Verlag, Frankfurt 2003, ISBN 3-593-37234-7, S. 199.
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